Seit 6 Jahren versucht der Nationalpark Hohe Tauern im Rahmen des Artenschutzprojekts „Urforelle“ die in Osttirol gefundene autochthone (heimische) Bachforelle in zwei Versuchsgewässern zu erhalten und ihre Eignung für Hochgebirgsbäche wissenschaftlich näher zu untersuchen. Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Begleituntersuchungen haben im Spätherbst wieder in Osttirol zwei sogenannte Kontrollbefischungen stattgefunden.
Im Spätherbst bei fast winterlichen Verhältnissen haben sich Mitarbeiter des Nationalparks Hohe Tauern und der Uni Innsbruck in zwei Hochtälern des Nationalpark Hohe Tauern (Dorfertal und Trojeralm Tal) zu einer Bestandskontrolle aufgemacht. Diese beiden Täler sind in Versuchsabschnitten seit mehreren Jahren die für Menschen oftmals unwirtliche Heimat der „Urforellen“. Die in Osttirol im Rahmen des EU Projekts TroutExamInvest gefundene heimische Bachforellenlinie soll in diesen Gewässern für die Zukunft erhalten werden – es wird aber auch versucht herauszufinden, ob diese über Jahrhunderte an die extremen Bedingungen im Hochgebirge angepasste Linie nicht besser überleben und bestehen kann als beliebige Besatzfische. Die heimische Bachforelle stellt einen beinahe ausgestorbenen Schatz dar, denn durch Besatzmaßnahmen mit Saiblingen und Regenbogenforellen, aber auch durch menschliche Eingriffe (Verbauungen, Verschmutzungen) wurde diese stark zurückgedrängt.
Bei der Kontrolle im Spätherbst hat sich in den beiden Osttiroler Tälern ein erfreuliches Bild gezeigt: Die „Urforellen“ in den Versuchsgewässern befinden sich trotz der harten Bedingungen in diesen Höhenlagen in einem sehr guten Zustand und vermehren sich bereits selbst – der Vision eines stabilen sich selbst reproduzierenden Fischbestands in einem Gewässer (ohne Nach-Besatzmaßnahmen) ist man damit einen Schritt näher gekommen. Diese Kontrollen müssen, auch wenn es wegen des beginnenden Winters oft nicht einfach ist, im Spätherbst (Mitte/Ende November) erfolgen, so Mag. Florian Jurgeit vom Nationalpark Hohe Tauern.Der Grund liegt in der möglichst minimalen Wasserführung zu dieser Jahreszeit in den Bächen.
Auffallend sind die hohe Standorttreue dieser Bachforellen in manchen Kontrollabschnitten (quasi konstante Fischanzahl über mehrere Jahre) und ihre „Liebe“ zu rassigen und strukturierten Strömungsbereichen – dort findet man mehr als in ruhigen beinahe stehenden Bachabschnitten. Teilweise liegt eine Dichte von einem Fisch/Meter Fließstrecke vor – wenn man im Sommer den Bach abgeht wird man aufgrund der guten Tarnung jedoch nur mit Glück und geschultem Auge welche sehen können. Bei der spätherbstlichen Kontrolle wurden die großteils markierten „Urforellen“ vor allem hinsichtlich Größe, Gewicht und Geschlecht/Geschlechtsreife erfasst. Es zeigte sich ein sehr guter sogenannter Konditionsfaktor (Verhältnis Größe/Gewicht), sowie das Vorhandensein einer Eigenreproduktion. Dr. Nikolaus Medgyesy von der Univ. Innsbruck spricht bei einem Konditionsfaktor von knapp unter 1 bei diesen Verhältnissen im Hochgebirge von einem beachtlichen Ergebnis.
In den nächsten Jahren wird sich zeigen wie sich die Populationen ohne menschliches Zutun entwickeln – vieles spricht aber bereits dafür, dass die autochthone (heimische) Bachforelle aufgrund ihrer genetischen Anpassung an die Verhältnisse auch ein wirtschaftlich interessanter Fisch sein dürfte.
Infobox Dr. Medgyesy (Univ. Innsbruck)
Was tut die Forelle im Winter an Extremstandorten im NP?
Fische sind wechselwarme Tiere, -ihre Körpertemperatur und Stoffwechsel passen sich der Umgebungstemperatur an. In diesen Extremstandorten liegt die Wassertemperatur im Winter knapp über dem Gefrierpunkt. Bei diesen Temperaturen sind die Fische inaktiv. Der Stoffwechsel ist so herabgesetzt, dass sie keine Nahrung aufnehmen. Sie verharren in strömungsarmen, geschützten Einständen bis es wieder wärmer wird.
Mehr Infos zur „Urforelle“: www.urforelle.info
Rückfragen:
Mag. Florian Jurgeit
Nationalparkverwaltung Matrei
0664-25161 36
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Bildnachweis:






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