Biodiversität ist ein relativ neuer Begriff für eine eigentlich alte Tatsache: nämlich die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten. Bei einer Tagung vergangene Woche im BIOS Nationalparkzentrum Mallnitz berichteten hochkarätige RefertenInnen über die bereits gesetzten und die zukünftig nötigen Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität.
Im Jahr 2010 ist die biologische Vielfalt – aufgrund des von der UNO ausgerufenen Internationalen Jahres der Biodiversität – in aller Munde. Der Nationalpark Hohe Tauern ist mit seinen mehr als 1.800 km² Erholungs-, Naturerlebnis-, Wirtschafts- und Lebensraum für den Menschen. Sein eigentlicher Wert kann jedoch nicht in Form von Geld ausgedrückt werden, sondern sind die überaus vielfältigen und artenreichen Lebensräume von den Tallagen bis zum höchsten Gipfel Österreichs, dem Großglockner.
Nationalparkdirektor Peter Rupitsch sieht die wesentliche Aufgabe von Schutzgebieten in der Erhaltung sowie dauerhaften und nachhaltigen Sicherung der genetischen Vielfalt, der Artenvielfalt und der Vielfalt an Lebensräumen bzw. Ökosystemen.
Biodiversität der Hohen Tauern
Dr. Robert Lindner, Leiter des Biodiversitätszentrums am Museum Haus der Natur in Salzburg, hob die Bedeutung des Nationalparks Hohe Tauern als großflächiges Schutzgebiet und Rückzugsgebiet für gefährdete Arten wie Hochmoorgelbling oder Birkhuhn hervor. Viele Faktoren bestimmen die Biodiversität der Hohen Tauern: seine Lage in den zentralen Ostalpen, die extremen Höhendifferenzen auf engem Raum sowie die ehemalige und aktuelle Vergletscherung und nicht zuletzt der Einfluss des Menschen sind nur die stärksten Kräfte. So waren z.B. die Hohen Tauern vor ca. 20.000 Jahren fast „vegetationslos“ und unbewohnt. Laut aktuellem Wissenstand gibt es 4.000 Pilzarten, mehr als 1.300 Pflanzenarten, 1.300 Schmetterlinge, rund 200 Wirbeltierarten um nur einige Zahlen zu nennen. Die Artenvielfalt im Boden ist noch kaum erforscht. Neue Arten werden auch aus den Hohen Tauern laufend beschrieben.
Was wissen wir über die Biodiversität?
Die Menschheit weiß über die unvorstellbare Artenvielfalt auf unserem Planeten noch gar nicht richtig Bescheid. Weltweit sind derzeit etwa 1,7 Millionen Arten beschrieben, wobei Schätzungen von 10 bis 20 Millionen Arten ausgehen. Jährlich werden mehr als 10.000 Arten neu entdeckt. „Die Rate des Aussterbens von Arten ist im Industriezeitalter 100 bis 1.000fach höher als im Vorindustriezeitalter“ erläutert DI Maria Tiefenbach vom Umweltbundesamt in Wien. Grundsätzlich sind Arten der intensiv genutzten Tieflagen viel gefährdeter als diejenigen im Hochgebirge.
Biodiversitätsschutz in Österreich
Mit der Ratifizierung der Biodiversitätskonvention hat sich Österreich - wie mittlerweile 193 Vertragsparteien weltweit - im Jahr 1994 zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt verpflichtet. Dementsprechend gibt es auch in Österreich eine nationale Biodiversitätsstrategie und Aktionspläne. „In Zukunft ist bezogen auf die jetzige vielfältige Kompetenzlandschaft hinsichtlich der Biodiversität die Kooperation und Bündelung der Kräfte notwendig“, so DI Gabriele Obermayer vom Österreichischen Lebensministerium. Die zur Zeit laufende Kampagne „vielfaltleben“ des Lebensministeriums ist ein Versuch, um alle Kräfte für die Lebensvielfalt zu bündeln und damit Bewusstsein zu schaffen.
Die Zukunft des Biodiversitätsschutzes
DI Wolfgang Suske - langjähriger Mitarbeiter in der Naturschutzabteilung des Landes Niederösterreichs und nun Leiter des Büros „suske consulting“ – sieht den Naturschutz in Europa auf dem richtigen Weg. Durch die Europäischen Naturschutzrichtlinien wechselte man von einem rein maßnahmenorientierten zu einem ziel- und lösungsorientierten Naturschutz. Dadurch wurde der Naturschutz in seiner Rolle gestärkt. „Diese Position sollte dazu genutzt werden, um mit Transparenz, Beharrlichkeit und Kooperation dem Ziel der Erhaltung der biologischen Vielfalt in Europa zu dienen“, so Sukse.
Abschließend stellte Mag. Michael Proschek-Hauptmann - Geschäftsführer des Umweltdachverbandes - fest, dass im Naturschutz nicht nur Symptome bekämpft, sondern die Ursachen ermittelt und beseitigt werden sollen. Es gilt ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte zu verknüpfen. So soll Bewährtes – wie die dauerhafte Sicherung von Schutzgebieten – weitergeführt werden. Der nächste Schritt ist die ökologische Vernetzung von Lebensräumen außerhalb von Schutzgebieten. Hier sind neue Ansätze in der Landbewirtschaftung, der Förderpolitik sowie die Zusammenarbeit von Schlüsselakteuren wie Raumplanung, Verkehr, Naturschutz und politische Entscheidungsträger notwendig. Ein wesentlicher Faktor für einen zukunftsorientierten Biodiversitätsschutz ist auch die „Biodiversitätsbildung“.
„Das BIOS Nationalparkzentrum Mallnitz will mit dieser Auftakttagung und der anschließenden Seminarreihe zu gefährdeten Lebensräumen und den damit verbundenen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Bewusstsein für den Wert der biologischen Vielfalt schaffen“, so Mag. Angelika Staats, Leiterin der Abteilung Bildung im Nationalpark Hohe Tauern Kärnten. Das nächste Seminar findet am 29. April zum spannenden Thema „Eulenvögel – lautlose Jäger der Nacht“ in Mallnitz statt. Nähere Informationen sind unter www.hohetauern.at/bios zu finden.





