Tierwelt (Fauna)

Wer mit „offenen Augen“ durch die Hohen Tauern wandert, wird nicht nur die landschaftliche Grobgliederung entdecken und die klimatischen Unterschiede wenn er in die Höhe wandert bemerken sondern auch eine Vielfalt im Detail, wie die Gliederung einer Bergwiese, die horizontale und vertikale Zusammensetzung eines Waldes, die mosaikartig aus Blockfeldern, Rasen, Felsen und Schneemulden zusammengesetzte Landschaft oberhalb der Waldgrenze etc. Diese gerade im Hochgebirge ausgeprägte Mischung aus vielfältigen Umweltbedingungen im Großen und Kleinen bildet hier die Grundlage für die insgesamt mannigfaltige Tierwelt. Über 10.000 Tierarten nennen den Nationalpark Hohe Tauern ihre Heimat.

Die vielfältige Fauna der Alpen und somit der Hohen Tauern ist das Ergebnis vielschichtiger, interessanter Entwicklungen. Neben Art-Entstehungsprozessen (Evolutionsprozessen) führten hier Einwanderungs- und Verdrängungswellen, Aussterben und Wiederbesiedelung und schließlich der Einfluss der Menschen zur Ausbildung unserer heutigen Artengemeinschaft.

Im Wesentlichen kann man die alpine Tierwelt in vier Herkunftsarten einteilen:

Wildtiere im Winter

Wenn im Herbst der Schnee einfällt, wird für die Tiere das ohnehin harte Leben im Hochgebirge noch strenger.  Es herrscht eisige Kälte und es wird schwierig Nahrung zu finden. In den Hochlagen liegt eine meterdicke Schneedecke nicht selten über sechs Monate oder mehr. Sie bedeckt die Vegetation und macht diese für Pflanzenfresser schwer erreichbar. Selbst im Bergwald stehen für diese Tiere fast nur schwer verdauliche Fichtennadeln, wenige Knospen oder Baumrinden zur Verfügung. Noch schwieriger wird es für Insektenfresser, da ihre Beute nun weitgehend inaktiv ist.
Die Reptilien und Amphibien sind als Wechselwarme direkt von der Außentemperatur abhängig. Sie verbringen den Winter in Kältestarre. Die warmblütigen Vögel und Säugetiere hingegen haben verschiedene Verhaltensweisen entwickelt um die schwierigen Zeiten zu meistern:


Wanderungen
Die einfachste Methode ist es dem strengen Bergwinter einfach auszuweichen. Vor allem Vögel fliegen als Zugvögel in günstige Regionen. Manche Arten, wie z. B. Steinschmätzer, Steinrötel und Alpensegler überwintern sogar im tropischen Afrika. Andere wiederum ziehen in den Mittelmeerraum (z. B. Hausrotschwanz, Ringdrossel) oder steigen nur ins Tiefland ab, wie der Wasserpieper.
Das Rotwild wechselte früher im Winter in die Talbereiche. Da es die Wintereinstände in der heutigen Kulturlandschaft nicht mehr gibt, wird das Rotwild vielfach im Winter gefüttert.
Erstaunliches Verhalten ist vom Rehwild in manchen Gebieten der Südseite zu beobachten. Dort wandern die Tiere im Winter sogar hoch hinauf in die Alpinstufe, wo sie an vom Wind schneefrei gewehten Graten und Rücken leichter Nahrung finden als in der tiefverschneiten Bergwaldstufe.

 

Besonderheit Schneefink

Einer der winterhärtesten Hochgebirgstiere ist der Schneefink. Nur ausnahmsweise sucht er im Winter Regionen unterhalb von 2.000 Höhe auf. Schneefinken schlafen in tiefen, engen Felsspalten und verteidigen einen einmal eroberten Schlafplatz heftigst gegen Artgenossen.

Winterschlaf
Ausgeprägte Winterschläfer sind unter anderem der Igel, der Siebenschläfer, die Haselmaus und das Murmeltier. „Schlafen wie ein Murmeltier“ wird ja als gängiges Sprichwort verwendet. Rund sechs Monate schlafen die Murmeltiere in ihren tiefen Winterbauten die bereits im Spätsommer dicht mit Gras ausgepolstert werden. Jedoch nicht zur Nahrung sondern zur Wärmeisolierung. Die Tiere zerren allein von ihren Fett-Reserven.

Aktives Ausharren im Bergwinter
Etliche Vögel und Säugetiere harren den harten Bergwinter auch aus. Hierzu haben sie durchwegs besondere Anpassung entwickelt. Die meisten typischen Hochgebirgsarten tragen ein deutlich dichteres, wärmeres Fellkleid (z. B. Gämse, Steinwild, Schneehase, Alpenschneehuhn). Viele müssen nun auch mit ihrer Energie besonders sparsam umgehen und verbringen die meiste Zeit ruhend in geschützten Einständen (außer bei der Nahrungsaufnahme). Z. B. gräbt sich das Auerhuhn bis zu 1,5 Meter tief in die isolierende Schneedecke ein (Schlafhöhle).
Werden diese aktiven Ausharrer aber immer wieder von Menschen gestört (z. B. Tourenskifahrer etc.) und zur Flucht getrieben, so verlieren sie an Energie und können sterben.

Buchtipp: Tierwelt Hohe Tauern

Die Hohen Tauern sind ein großartiger Lebensraum für Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische. Das Buch beschreibt die Vielfalt und Besonderheiten der Tierwelt in den Lebensräumen vom Tal bis in die Gipfelregion.

Erhältlich im Nationalpark Shop


Submit to DiggSubmit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter