Lebensräume (Ökologie)

Als Kernstück der österreichischen Zentralalpen erstreckt sich mit über rund 100 km Länge das imposante Massiv der Hohen Tauern. Es beinhaltet eine erstaunliche Vielfalt an Formen, Klimabedingungen und Landschaften mit interessanten Besonderheiten.
Beginnend bei knapp 700 m Höhe in vorgelagerten Tälern, steigen hier die Hänge und Grate über mehr als 3.000 Höhenmeter bis in die gletschergekrönten Gipfelregionen an. Mit 3.798 m Höhe bildet der höchste Berg Österreichs, der Großglockner, das Herzstück und das Dach des Nationalparks Hohe Tauern. Gletscher und Flüsse gliederten in Jahrmillionen das Gebirgsrelief der Hohen Tauern und formten Längs- und Quertäler, breite Talböden, Schluchten, Kare und Grate.

Steigt man vom Tal bis in die Gipfelregionen, ändert sich das Klima gleich einer Reise in die Arktis. Mit zunehmender Höhe nehmen generell die Lufttemperatur, die absolute Luftfeuchtigkeit und die Dauer der Vegetationsperiode ab. Die Sonneneinstrahlung, die Windhäufigkeit und –stärke, die Niederschlagsmenge und die Dauer der Schneebedeckung hingegen nehmen deutlich zu. Die Ausformung typischer Höhenstufen der Vegetation ist die Folge und mit ihr auch die Besiedelung dieser mit einer artenreichen Tierwelt.

Höhenstufen im Nationalpark Hohe Tauern

Montanstufe (700 – 1.600/1.700 m Höhe)


Charakteristisch: Unterer Bereich - Laub- bzw. Mischwald und darüber Bergfichtenwald


Subalpinstufe(1.600 – 2.200/2.300 m Höhe)


Lärchen-Zirben Wälder herrschen hier vor. Weite Teile der Waldstufe wurden jedoch über Jahrhunderte durch die Aktivitäten des Menschen verändert. Die Wälder wurden zur Gewinnung von Weideflächen gelichtet und es entstand die traditionelle Almwirtschaft mit Weiderasen und Lärchenwiesen.  Durch forstliche Nutzung wurden Fichtenkulturen angelegt.  Im Unterwuchs der Wälder und im Almbereich treten flächig Zwergsträucher auf (Alpenrosen, Heidelbeere etc.) und bilden über die Waldgrenze hinaus den charakteristischen Zwergstrauchgürtel, der in die Alpinstufe überleitet.

Alpinstufe (1.600 – 3.000/3.100 m Höhe)

Der Zwergstrauchgürtel schließt hier an ausgedehnt alpine Rasen an, die so genannte Grasheidestufe. Mit zunehmender Höhe lichtet sich allgemein die Vegetationsdecke. Block- und Felsfluren dominieren nun, und es gedeihen vorwiegend nur mehr Polsterpflanzen und Flechten (Polsterstufe). Schließlich gelangt man über die Schneegrenze in die sogenannte

Nivalstufe (ab 3.000 m Höhe)

in der nur mehr wenige Pflanzenarten leben können. Dies ist der Lebensraum für ausgeprägte Spezialisten, welche sich in ihrer Evolution einiges einfallen lassen haben um hier zu überleben. 

Dieser Stockwerksaufbau des Nationalparks Hohe Tauern erklärt den immensen Artenreichtum an Pflanzen und Tieren. So gibt es etwa in der Nationalpark-Region nicht weniger als 10.000 Tier- & 1.800 Pflanzenarten zu bewundern. Hier leben unter anderem ansehnliche Populationen von Steinböcken, Steinadlern, sowie Bart- und Gänsegeiern. Die Gänsegeier sind Sommergäste im Nationalpark Hohe Tauern.

 

Zusätzliche Besonderheit

Neben den Einflüssen der Höhenlage kommt im Hochgebirge auch der Hangrichtung eine entscheidende  Bedeutung zu. Nord- Südhänge bzw. Schatt- und Sonnseite beeinflussen die Flora und Fauna wesentlich. Schon auf kleinen Graten, Rippen und Hügeln ist dies sichtbar. Die Tauern-Südseite ist im Vergleich zur Nordseite deutlich klimabegünstigt (z. B. stärkere Sonneneinwirkung, niederschlagsärmer etc.). Schneegrenze und die Höhenstufen der Vegetation liegen höher, was sich auf das Vorkommen zahlreicher Tierarten auswirkt. Wärmeliebende Pflanzen- und Tierarten (z.B. Steinhuhn, Felsenschwalbe, Alpensegler, etc.) finden hier ihre Heimat.


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