Der Nationalpark Hohe Tauern beherbergt die zweitgrößte Brutpopulation des Rotsternigen Blaukehlchens in den Ostalpen. Für diese europaweit geschützte Art ist das mehr als 1.800 km² große Schutzgebiet daher als Lebensraum von überregionaler Bedeutung. Grund genug, diesem kleinen Singvogel besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Zwei „Sterne", aber nur eine Art
Blaukehlchen sind nicht zuletzt durch ihr attraktives Äußeres eine vogelkundliche Besonderheit. Besonders die Männchen besitzen einen blauen Kehllatz, der auch beim Balzgesang weithin sichtbar zur Schau getragen wird. Im Kehlbereich befindet sich ein weißer oder roter Farbfleck, der sogenannte Stern. Die beiden Unterarten, dass „Rotsternige" bzw. das „Weißsternige" Blaukehlchen sind auch in ihren Lebensgewohnheiten sehr verschieden. Als Tieflandvogel ist das Weißsternige Blaukehlchen an „gestörte" Habitate wie etwa dynamische Verlandungsbereiche entlang von Flüssen angepasst. Das Rotsternige Blaukehlchen besiedelt buschreiche und sumpfige Lebensräume.
Das Rotsternige Blaukehlchen - auch ein Brutvogel der Alpen
Das Hauptvorkommen des Rotsternigen Blaukehlchens liegt in den nördlichen Bereichen von Europa, Asien sowie in Alaska. Seit Mitte der 1970er Jahre sind auch Brutgebiete in den Alpen bekannt (arkto-alpine Verbreitung). Eines davon ist das Hundsfeldmoor bei Obertauern im Bundesland Salzburg. Auch in der Schweiz sind Brutvorkommen zu finden. Unklar ist, warum es zu diesen Neuansiedlungen in den Alpen gekommen ist. Die Wissenschaft geht von Neuankömmlingen aus, da dieser auffällige Singvogel schwer zu übersehen ist.
In den Alpen besiedeln die Blaukehlchen ähnliche Lebensräume wie in ihrem Hauptverbreitungsgebiet, also feuchte, flache Bereiche, die meist mit Latschen bewachsen sind.
Das Rotsternige Blaukehlchen im Nationalpark Hohe Tauern
In den 1990er Jahren wurde das Rotsternige Blaukehlchen auch im Nationalpark Hohe Tauern als Brutvogel bestätigt. Nach intensiven Recherchen konnten die beiden Elendtäler im Kärntner Anteil des Nationalparks mit rund 15 Brutpaaren als Zentrum der Verbreitung festgestellt werden. Weiters gibt es immer wieder Beobachtungen von einzelnen Brutpaaren bzw. singenden Männchen, so an der Großglocknerstraße, aus dem Gasteiner-, Lieser- Seebach- und Stubachtal.
Die Blaukehlchen besetzen die Reviere im Mai und ziehen Ende August/Anfang September wieder nach Afrika. Eine Besonderheit unter den Kleinvögeln ist, dass Blaukehlchen pro Jahr nur eine Brut aufziehen. Die Gelegegröße umfasst 5 - 7 Eier. Die Nester werden dabei oft nahe von Alpenrosen und Steinhaufen angelegt.
Die Zukunft des Rotsternigen Blaukehlchens im Nationalpark Hohe Tauern
Das Rotsternige Blaukehlchen ist in den „Roten Listen" Österreichs, Kärntens und Salzburgs (in Vorbereitung) eine vom Aussterben bedrohte Art und auch gemäß „Anhang I" der Vogelschutzrichtlinie eine europaweit besonders geschützte Vogelart! Seit einigen Jahren besteht zwischen dem Nationalpark Hohe Tauern Kärnten und BirdLife Österreich/Landesgruppe Kärnten eine Kooperation, um die Bestände zu kontrollieren und Managementvorschläge zu erarbeiten. Fragen bezüglich möglicher Einflussfaktoren, etwa von Beweidung, Schwendung und Alpintourismus, sind zu klären. BirdLife führt ein umfangreiches Brutmonitoring durch und untersucht die Verfügbarkeit der Insektennahrung. Die VolontärInnen des Nationalparks beschäftigen sich mit der „Raumnutzung" von Wanderern und Hunden und deren mögliche Einflussnahme auf die Blaukehlchen.
Der Nationalpark Hohe Tauern ist sich seiner hohen Verantwortung in Bezug auf das Rotsternige Blaukehlchen bewusst. Gemeinsam mit BirdLife Kärnten, dem Österreichischen Alpenverein und den Grundeigentümern im Großelendtal werden große Anstrengungen unternommen, das Rotsternige Blaukehlchen kennen zu lernen und es als Kleinod der heimischen Vogelwelt zu erhalten. Viele Aspekte eines alpinen Wirkungsgefüges, so auch die Auswirkungen des Klimawandels auf diese Vogelart, müssen im Detail erst verstanden werden. Möge die Kombination aus Wissenschaft und angewandtem Naturschutz einen Beitrag leisten, den unübertrefflichen Anblick eines balzenden Blaukehlchens auf Dauer in den Hohen Tauern genießen zu dürfen.
Auskünfte:
Mag. Dr. Remo Probst, Gerald Malle, BirdLife Österreich, Landesgruppe Kärnten, Pfaffendorf 9, 9560 Feldkirchen
Mag. Katharina Aichhorn, Nationalpark Hohe Tauern Kärnten




