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Eustachius und Maseta ausgewildert

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Bartgeierfreilassung im Mallnitzer Seebachtal
Seit über 20 Jahren wird der größte Greifvogel Europas, der Bartgeier, wieder in den Alpen angesiedelt. EUSTACHIUS (Schutzpatron der Jagd) und MASETA (MA wie Mallnitz, SE wie Seebachtal und TA wie Tauerntal) bekamen ein neues Zuhause im Mallnitzer Seebachtal

Heute Freitag, fand bereits zum vierten Mal im Kärnten Anteil des Nationalparks Hohe Tauern eine Freilassung von zwei Jungvögeln statt. Die Wiederansiedelung des Bartgeiers ist eines der erfolgreichsten Artenschutzprojekte im Nationalpark Hohe Tauern und ein wichtiger Beitrag für die Vielfalt der Tierwelt in den Alpen. „Unsere prächtigen Bartgeier sind schon zum Markenzeichen des Nationalparks Hohe Tauern geworden, ich bin sehr stolz auf den großen Erfolg dieses Projektes!", erklärt Nationalparkreferent Scheuch.

 

Bevor die beiden als Nestlinge in ihren Horst kamen, wurden Flügel- und Schwanzfedern an der Unterseite gebleicht, um sie bis zur ersten Vollmauser nach drei Jahren leicht zu erkennen.

Eustachius stammt aus Andalusien in Spanien und Maseta aus Österreich. Sie befinden sich nun in freier Wildbahn und können in ihrem Horst  täglich (Treffpunkt: 10.00 Uhr, Parkplatz Ankogelbahn) bis Mitte August beobachtet werden. So kann man das Heranwachsen der beiden Jungvögel, die ersten Flugversuche bis hin zum endgültigen Verlassen des Horstes miterleben.

Rund 500 Nationalparkfreunde sind gekommen, um die Freilassung der zwei Jungvögel zu feiern, unter Ihnen Nationalparkreferent LH-Stv. Dipl -Ing. Uwe Scheuch, Bezirkshauptmann Dr. Klaus Brandner, die beiden Landesjägermeister Stellvertreter Dr. Walter Brunner und Sepp Monz sowie Bürgermeister Günther Novak aus Mallnitz und Dr. Wilhelm Pacher aus Obervellach.

Huby Mayer komponierte eigenes für diesen besonderen Anlass die Fanfare „König der Lüfte", die von den Jagdhornbläsern aus Flattach stimmungsvoll interpretiert wurde.

Hintergrundinformationen zum Bartgeier-Projekt

Der Bartgeier war einst in fast allen Gebirgen Südeuropas und in den Alpen verbreitet. Wohl kaum ein Greifvogel beeindruckte die Menschen so nachhaltig, wie zahlreiche Fabeln und Legenden zeigen. Der friedliche Bartgeier wurde als blutrünstige Bestie dargestellt, welche sogar vor Kindesraub nicht zurückschreckte. Dem Bartgeier wurde zu Unrecht auch das Töten von Gämsen und der Raub von Lämmern zugeschrieben, was auch zu seinem volkstümlichen Namen „Gamsgeier" und „Lämmergeier" führte. Die Bezahlung von Fang- und Schussgeldern führte dazu, dass die Tiere auf jede nur mögliche Art und Weise verfolgt wurden. Weitere Gründe für den Rückgang und die teilweise Ausrottung der Bestände waren der Einsatz von Giftködern, der Abschuss im Auftrag von zoologischen Sammlungen und in einigen Gebieten ein Versiegen der Nahrungsquellen.

In den Alpen wurde der Bartgeier im Verlaufe des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Am längsten überlebte er noch in den Westalpen, wobei die letzte nachgewiesene Brut aus dem Jahre 1910 belegt ist. In Europa überlebten Bartgeier nur in den Pyrenäen, auf Korsika und in Kreta sowie in wenigen Exemplaren auf dem griechischen Festland. Die Bestände sind dort überall stark gefährdet.

Nach mühevoller und langwieriger Suche von geeignetem Zuchtmaterial ist es dem Alpenzoo Innsbruck unter dem damaligen Direktor Dr. Helmut Pechlaner gelungen, die ersten Bartgeier mit Hilfe eines Ammenvogels in einer Voliere aufzuziehen. Dieser Erfolg des Alpenzoos Innsbruck war der Grundstein des Bartgeier-Projektes und damit ein wesentlicher Beitrag für eines der bedeutendsten Artenschutzprojekte. Aufgrund regelmäßiger Zuchterfolge konnte dann 1978 mit Unterstützung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, des WWF Österreich und Schweiz sowie der IUCN das internationale Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen gegründet und die wichtigsten Richtlinien und Ziele des Projektes festgelegt werden. Als oberstes Ziel gilt die Etablierung eines ohne menschliche Hilfe überlebenden Bestandes. Auf Wildfänge wird im Projekt gänzlich verzichtet, um bestehende Populationen nicht zu gefährden.

Nur Tiere aus zoologischen Gärten und verletzte Tiere aus dem Freiland, deren Freilassung nicht mehr möglich ist, werden in das Zuchtprogramm integriert. Für die Freilassung werden ebenfalls nur in Volieren geborene Jungvögel verwendet. Bis 1986 dauerte der Aufbau eines Zuchtnetzes unter Beteiligung von rund 30 Tiergärten und der zentralen Richard Faust Bartgeier-Zuchtstation Haringsee. Es begann eine enge Kooperation zwischen Naturschutzorganisationen, Behörden, Universitäten, Nationalparks und Zoos.

Eine internationale Expertenkommission wählte im Alpenraum vier gleich weit voneinander entfernte Freilassungsorte aus. Nach dieser Freilandstudie durch Schweizer Wildbiologen wurden erstmals 1986 im Krumltal/Rauris im Salzburger Anteil des Nationalparks Hohe Tauern die vier jungen Bartgeier Hans, Fritz, Ellen und Winnie freigelassen, wobei Winnie wieder eingefangen werden musste. Dieser Freilassung folgten weitere Freilassungen: seit 1987 in Bargy/Hochsavoyen (F), seit 1991 im Schweizer Nationalpark, seit 1993 im Nationalpark Mercantour (F) und im Naturpark Alpi Marittime(I) sowie seit 2000 im Nationalpark Stilfserjoch (I). Insgesamt wurden bisher 150 Tiere alpenweit ausgewildert, 45 im Nationalpark Hohe Tauern, davon 29 im Krumltal/Rauris. Dadurch dass aufgrund eines ausgeprägten

Territorialverhaltens eines Vogels es nicht mehr möglich war, im Krumltal weitere Bartgeier freizulassen, erfolgten ab dem Jahr 2000 Freilassungen im Kärntner Seebachtal/Mallnitz, im Innergschlöß/Matrei in Osttirol, im Gasteiner Anlauftal, in Kals und im Bereich Glocknerstraße in der Gemeinde Rauris. Die im Krumltal bisher territoriale Bartgeierdame "Nicola" befliegt seit diesem Winter ein neues Revier im Raum Felbertauern und bildet dort ein neues Brutpaar. Aus diesem Grund besteht die Möglichkeit wieder an den ursprünglichen Freilassungsplatz im Krumltal zurückzukehren. Im Freiland sind alpenweit bereits 50 Jungvögel ausgeflogen.

Ein äußerst wichtiger Bestandteil des Projektes ist die möglichst genaue Überwachung der freigelassenen Bartgeier auf ihrem weiteren Lebensweg. Das verwendete Markierungsmuster ermöglicht es dabei, die Jungvögel ungefähr drei Jahre lang, bis zur Mauserung eindeutig zu identifizieren. Um den weiteren Lebensweg der freigelassenen Bartgeier verfolgen zu können wurde ein begleitendes wissenschaftliches Monitoring installiert. Dazu wurde im ganzen Alpenraum ein Netz freiwilliger Beobachter aufgebaut. Nur Dank der Mitarbeit der lokalen Bevölkerung, von Nationalpark-Mitarbeitern, Jägern, Ornithologen, Bauern und Touristen können so Bartgeier weiter kontrolliert werden. Vom Nationalpark Hohe Tauern wird dabei das Monitoring für ganz Österreich finanziert und darüber hinaus das internationale Bartgeiermonitoring federführend betreut. Bartgeiermeldungen bitte an: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. bzw. 0664/8203055 bzw. 0664/1417429.

Der Bartgeier ist wohl die prächtigste Geierart und ist mit einer Flügelspannweite bis zu 2,85 Metern unser größter Greifvogel in den Alpen. Mit dieser großen Flügelspannweite ist er natürlich ein hervorragender Segler. Bartgeier bewohnen die Gebirgsregionen vorwiegend oberhalb der Waldgrenze. Sie leben in riesigen Revieren (100 - 750 km²), die sie gegen Artgenossen verteidigen. Die Horste werden in Felsnischen angelegt. Die Brutzeit fällt in den Hochwinter. Zumeist werden 2 Eier im Abstand von 4 bis 5 Tagen in den gut ausgepolsterten Horst gelegt. Nach einer Brutdauer von ca. 54 Tagen schlüpfen die beiden Jungen, aufgezogen wird jedoch immer nur eins. Da das erstgeschlüpfte Junge sich aggressiv gegenüber dem Jüngeren verhält und es vom Futter verdrängt, stirbt dieses nach kurzer Zeit (Kainismus). Somit stellt das 2. Ei nur eine biologische Reserve dar, falls das erste Junge kränklich ist oder nach dem Schlupf stirbt. Sowohl beim Brüten als auch bei der Aufzucht des Jungen wechseln sich beide Elternteile ab. Grund für die ungewöhnliche Brutzeit ist das reichliche Nahrungsangebot in der Zeit der Jungenaufzucht: Im Frühjahr sind zahlreiche im Winter verendete oder durch Lawinen umgekommene Wildtiere im schmelzenden Schnee zu finden. Nach etwa 116 Tagen so zwischen Mitte Juni und Mitte Juli startet das Bartgeierjunge seinen Erstflug. Für einige Wochen wird es von den Eltern noch weiter mit Futter versorgt.

Bartgeier sind Aasfresser und verwerten vor allem das, was andere Aasfresser übriglassen. Bis zu 80 % der Nahrung besteht aus Knochen, Sehnen und Bändern. Knochen erscheinen auf den ersten Blick als wenig nahrhaft, enthalten aber genau soviel Energie wie Fleisch. Nur Bartgeier sind durch ihren leistungsstarken Verdauungsapparat und Magensäfte imstande, die enthaltenen Nährstoffe auch zu nutzen. Zum Verschlingen dieser sperrigen Beute ist ihr Schlund besonders dehnbar. Zu große Knochen werden mit den Fängen hoch in die Luft getragen und auf schräge Felsplatten abgeworfen, auf der sie zersplittern - deshalb auch der Name „Knochenbrecher".

Die Bartgeier haben sich zu wichtigen "Imageträgern" des Nationalparks entwickelt. Das zeigt sich am hohen Publikums- und Medieninteresse bei Ausstellungen, Messebesuchen und bei den bisherigen Bartgeierfreilassungen. Wir dürfen alle Interessierte zur heurigen Freilassung im Kärntner Anteil des Nationalparks Hohe Tauern in Mallnitz herzlich einladen.

Insgesamt wurden bisher 150 Bartgeier-Jungvögel freigelassen; es sind bereits 50 Jungvögel in freier Wildbahn ausgeflogen, heuer haben wieder 15 Brutpaare gebrütet - es ist das erfolgreichste Arten- und Wiederansiedlungsprojekt im Nationalpark, bei dem der Nationalpark Hohe Tauern, der WWF Österreich, der Verein Eulen- und Greifvogelschutz Österreich, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt und die Veterinärmedizinische Universität Wien und die Zoo`s zusammenarbeiten. Details über das Bartgeierprojekt und den Bartgeier können Sie auch aus der internationalen Bartgeier-Broschüre oder unter www.hohetauern.at, www.bartgeier.ch und www.gyp-monitoring.com erfahren.

Bartgeier kennen keine von Menschen gezogenen Grenzen, es wird daher beim Bartgeierprojekt über die Länder- und Staatengrenzen hinweg zwischen Naturschutzorganisationen, Behörden, Zoos, Nationalparks, Jägerschaften, Universitäten etc. hervorragend zusammengearbeitet. Das Bartgeierprojekt ist daher ein ausgezeichnetes Beispiel internationalen Natur- und Artenschutzes.

 Weitere Impressionen der Bartgeierfreilassung