Nationalpark Hohe Tauern - News-Artikel



Gut besuchte Almwirtschaftstagung der Nationalpark Akademie

Multifunktionale Almwirtschaft

„Die Almen im Spannungsfeld“, lautete der Titel der Almwirtschaftstagung am 4. und 5. April in Mallnitz. Die landwirtschaftliche Fachtagung im BIOS Nationalparkzentrum fand bereits zum vierten Mal statt und ist eine Zusammenarbeit von Nationalparkakademie Hohe Tauern und Bio Austria – Kärnten. Heuer erstmals mit dabei auch der Kärntner Almwirtschaftsverein. Insgesamt konnten 65 Teilnehmer aus der praktischen Landwirtschaft, aus Verwaltung und Forschung begrüßt werden.

Gerhard Hovorka von der Bundesanstalt für Bergbauernfragen stellte in seinem Vortrag fest, dass für eine zukunftsfähige Berglandwirtschaft unter anderem die Abgeltung der gesellschaftlichen Leistungen der Berglandwirtschaft durch das Agrarumweltprogramm ÖPUL und die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete essentiell wichtig ist. Hierfür erachtet er aber auch eine breite Entscheidungsfindung sowie die offene Diskussion der Interessenunterschiede zwischen Berg- und Gunstlagen, intensiv und extensiv für bedeutend. Denn die Gesellschaft wird längerfristig nur dann bereit sein für die Landwirtschaft die erforderlichen Budgetmittel zur Verfügung zu stellen, wenn nachvollziehbar ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele damit erreicht werden. Hovorka sieht einen wichtigen Schritt aus verteilungspolitischer Sicht darin, die Förderungshöhe in Zukunft nicht mehr vom Umfang und Art der landwirtschaftlichen Fläche abhängig zu machen, sondern die kalkulierten Standardarbeitszeiten, d.h. den notwendigen Arbeitseinsatz heran zu ziehen.

Zwei Strategien
zur Auswahl

Stefan Kirchweger vom Institut für Agrarökonomie an der BOKU Wien referierte über Zukunftsstrategien für erfolgreiches Wirtschaften im Berggebiet. Für die Milchproduktion lassen sich weltweit folgende zwei Hauptstrategien unterscheiden:

 

  • „High-Output“ (je höher die Produktion desto geringer die Fixkosten)
  • „Low-Input“ (Kostenreduktion durch Minimierung des Einsatzes von Technik, Zukkauffuttermitteln und Arbeitszeit)

 

Nach welcher Strategie sich ein Betrieb ausrichtet, hängt jeweils von den Standort- und Rahmenbedingungen, sowie den persönlichen Neigungen ab. Egal für welche Strategie ein Betrieb sich entscheidet, um erfolgreich zu sein muss sie konsequent umgesetzt werden und alle Betriebsleiter(innen) müssen voll dahinter stehen.
Gesehen werden auch Chancen durch die Diversifizierungsstrategie mit Nischenprodukten (Biomilch, Heumilch, Kleinwiederkäuer, Direktvermarktung) bzw. durch mehrere Betriebszweige die das Preisrisiko mindern.

Alm als wichtiger
Wirtschaftsfaktor

Der Wert der Almen als Wirtschaftsfaktor, als ein über Jahrhunderte gewachsener Teil der Kulturlandschaft und der besondere ökologische Wert als Lebensraum für Tiere und Pflanzen waren die Themen des zweiten Almwirtschaftstages.

Den Auftakt machte Barbara Kircher vom Amt der Kärntner Landesregierung. Etwa 20% der Kärntner Landesfläche ist Alm, 155.200 ha, die Hälfte davon Futterfläche. 3 von 4 Rindern in Kärnten werden gealpt, in Summe 51.668. Kircher stellte auch die Leistungen und Kosten der Almwirtschaft dar.
Die Ergebnisse der Almevaluierung 2012 zeigen deutlich, dass die Unterschiede im wirtschaftlichen Erfolg in den einzelnen Bereichen und den jeweiligen Almen sehr groß sind, aber im Endeffekt die Bewirtschaftung der Almen nur durch Bauern sinnvoll und schlussendlich auch am kostengünstigsten ist.
Der Mitbegründer uns Geschäftsführer des Umweltbüros Klagenfurt Daniel Bogner, sieht die Nutzung von Bergmähdern, Steilflächen und extensiven Flächen durch die Landwirte als hochqualifiziertes Biodiversitätsmanagement. Sehr anschaulich wurde von ihm dargestellt, wie sich unsere Kulturlandschaft durch die fortschreitende Nutzungsauflassung verändert hat. Sehr interessant nachzuvollziehen mit dem franziszeischer Kataster von 1830 unter www.kagis.ktn.gv.at. Die Trends der Jahre zeigen: Ackerflächen wurden zu Grünland, Grünland wurde zu Extensivgrünland, Extensivgrünland wurde zu Wald, Bergmähder wurden aufgelassen und die Almen verwalden und verheiden. Diese Trends stehen im krassen Widerspruch zu internationale Abkommen wie der Alpenkonvention, der Biodiversitätskonvention und der Fauna Flora Habitat-Richtlinie der EU. Aber die weitere Bewirtschaftung kann nur gesichert sein, wenn die Motivation und ein ausreichendes Einkommen vorhanden sind. Möglichkeiten sieht Daniel Bogner hier in der Steigerung der Wertschöpfung durch Veredlung von Produkten, das Erbringen von Dienstleistungen bzw. dem Inszenieren von Erlebnissen, Beispiel Geissentrekking in der Schweiz bzw. Schule auf der Alm.

Almmilch ist
gesund

 

Dem Fettsäuremuster von Alm-Milch widmete sich der Vortrag von Margit Velik vom LFZ Raumberg Gumpenstein. Eine Kernaussage war, dass je intensiver die Fütterung ist (hohe Gaben Kraftfutter und Maissilage), desto niedriger fallen die Gehalte an günstigen Fettsäuren für die menschliche Ernährung aus. So schneiden Vollweidemilch und Almmilch bei den Versuchsergebnissen am besten ab.
Richard Lainer, Salzburger Biobauer aus dem Großarltal, stellte seinen Betrieb mit der hofeigenen Aualm vor. Für den alpinen Tourismus sind die Almen ein attraktives Ausflugsziel und Grundlage für einen großen Wirtschaftszweig.

Lainer stellte die Erfolgsfaktoren des Tourismus im „Tal der Almen“ vor, sprach aber auch Spannungsfelder wie die strapazierte Umwelt durch Wanderer und Mountainbiker, den enormen Müllanfall oder der kommerziellen Ausreizung des Begriffes „Alm“ an.

Auswirkungen des
Klimawandels


Der Klimawandel ist die Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Über Auswirkungen uns Anpassungsmaßnahmen im Bergebiet sprach Oliver Tamme von der Bundesanstalt für Bergbauernfragen. Positive Folgen für den Bereich Bergland- und Almwirtschaft können laut Tamme die eine längere Vegetation, also Weide- und Alpungsdauer sein, sowie, vorausgesetzt die Wasserversorgung ist ausreichend, eine höhere Nutzungsintensität, als auch Produktionsalternativen wie Gemüse und Obst, die z.B. in Tirol in stetiger Zunahme begriffen sind. Aber auch die eventuell positiven Folgen des Klimawandels sind nicht unproblematisch, denn alpine Ökosysteme sind hochgradig verletzbar und Auswirkungen auf die Ökosysteme durch stärkere Erwärmung, Intensivierung von Landwirtschaft und Tourismus nicht zu unterschätzen.

Andreas Bohner vom LFZ Raumberg-Gumpenstein und Michael Machatschek von der Forschungsstelle für Landschafts- und Vegetationskunde beschlossen die Tagung mit ihren Beiträgen zu Almvegetation und dem Almweidemanagement.
Michael Machatschek stellte verschiedenste Projekte und deren spannende Erkenntnisse aus ganz Österreich zum Almweidemanagement und zur Almrekultivierung vor, denn „wenn wir nicht am Berg wirtschaften, wirtschaftet der Berg im Tal“ (Erosion, Hochwasser). Andreas Bohner hob besonders die Leistung der Almwirtschaft für die Erhaltung und Steigerung der Arten- und Biotopvielfalt im Gebirge hervor. Besonders die unterschiedlichen Bewirtschaftungsformen und Nutzungsintensitäten bereichern eine attraktive Kulturlandschaft mit vielen verschiedenen Pflanzengesellschaften und einer großen Vielfalt an Gefäßpflanzenarten.

Die Almwirtschaftagung zeichnete sich allgemein durch ihre hochwertigen fachlichen Beiträge und die auf hohem Niveau geführten Diskussionen aus. Ein oftmals in den Vorträgen vorgebrachtes Bedenken war, dass die Einschränkungen bei Pflanzenschutz und Düngung auf Almen unbedingt weiterhin zu erhalten sind, um das Beweiden von Gemeinschaftsalmen mit Biotieren auch weiterhin zu ermöglichen. Wichtige Frage ist wohl wie man also die sensiblen Bergregionen erhalten kann, die, wie festgestellt wurde, längst eine Schlüsselrolle für die Sicherung des Ökosystems, der Erhaltung der Kulturlandschaft und der Biodiversität spielen.
Der Politik, der Gesellschaft und wohl auch den Landwirt(innen) selbst sollten die multifunktionalen Leistungen unserer/ihrer Almen stärker bewusst werden. Sie sollten die Interessen des Berggebietes stark vertreten!
verfasst von Dipl.-Ing. Johanna Grojer

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