Nationalpark Hohe Tauern - News-Artikel



Bartgeier Glocknerlady mit akuter Bleivergiftung eingefangen

Glocknerlady beim Transport in die Bartgeierstation Haringsee

Vier Monate nach ihrer Freilassung am 23. Juni in der Nationalparkgemeinde Heiligenblut wurde Bartgeierdame Glocknerlady mit einer akuten Bleivergiftung in Slowenien wieder aufgefunden.

„Neben illegalen Abschüssen ist Bleivergiftung die häufigste Todesursache bei Bartgeiern und Steinadlern. Blei hat schwerwiegende Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem und auf die Nahrungsaufnahme. Die Folge ist Flugunfähigkeit und Tod durch Verhungern. Zu Bleivergiftungen kommt es durch die Aufnahme von Jagdgeschoßresten, welche sich in Aufbrüchen bzw. angeschossenen Wildtieren finden. Geier und Adler fungieren dabei als Bioindikatoren und zeigen Probleme auf, die sich aus der Verwendung von Blei in Jagdgeschossen ergeben. Der Nationalpark Hohe Tauern geht dabei mit gutem Vorbild voraus: in allen Nationalparkrevieren wird seit nunmehr vier Jahren erfolgreich bleifrei gejagt. Eine ganze Reihe von Nachbarrevieren ist dem schon gefolgt und produziert garantiert bleifreies Wildbret“, so Nationalparkreferent Ing. Kurt Scheuch.

Die zwei jungen Bartgeierdamen entwickelten sich nach ihrer Freilassung im Heiligenblut Fleißtal prächtig und zahlreiche Besucher verfolgten die ersten Flugversuche. Ende August wurden die zwei Damen endgültig flügge und erkundeten fortan weite Bereiche des Nationalparks, später auch die Obersteiermark. Ihre Ausflüge lassen sich dank Satellitentelemetrie über unsere Homepage (http://www.hohetauern.at/de/online-service/bartgeier-online.html) live mitverfolgen.

Erste Auffälligkeiten bei Glocknerlady ergaben die Auswertungen der Senderdaten ab 16. Oktober. Lady tauchte immer wieder in Tallagen auf und bewegte sich z.T. sehr wenig. Durchs Mölltal zog sie in die Reiseckgruppe und weiter nach Millstatt. Über die Nockberge und die Turrach flog sie schließlich in die Steiermark. Entlang der Koralm landete Lady schlussendlich in Slowenien.  Ihre Reise endete am 31. Oktober in einem Waldstück nördlich von Celje. Trotz gutem Wetter kam es zu keinen weiteren Flügen. Am Samstag wurde eine Vor-Ort-Kontrolle organisiert und Glocknerlady von slowenischen Birdlife Mitarbeitern in sehr schwachen Zustand aufgegriffen. Noch Samstagabends erfolgte der Transport in die Bartgeierstation Haringsee (NÖ). Eine Untersuchung am Montag ergab eine akute Bleivergiftung. Eine Entgiftung wurde umgehend eingeleitet. In den nächsten Tagen und Wochen wird sich zeigen, ob und wann die junge Bartgeierdame wieder freigelassen werden kann.

Dank eines intensiven Monitoringprogramms (Auswertung von Beobachtungsmeldungen und Satellitendaten) konnte Glocknerlady zeitgerecht gefunden werden.

Zurück